Michas Astroseite
  Seben Comet
 
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Erfahrungsbericht zum
Seben Comet

Teil 1
(bitte unbedingt Teil 2 lesen!)



Manch einer wird sich jetzt denken: " Ein Seben? Hat er das nicht gleich wieder umgetauscht?"

Nein, ich habs noch und bin (zu dem Zeitpunkt noch) zufrieden!
Aber nun zum Bericht:

Auf der Suche nach einem preisgünstigen und kompakten Teleskop bin ich irgendwann über die Seite der Eifeltwister gestolpert. Dort wurde das Comet getestet. Es ist ein Maksutov - Cassegrain - Teleskop mit einer Öffnung von 90mm und einer Brennweite von 1200mm. Der Testbericht war überraschenderweise ziemlich positiv.
Trotz allen Berichten über Seben und dem berühmt berüchtigten Big Boss orderte ich das Instrument.
Nach knapp 24 Stunden klingelte der Postmann und brachte mir ein überraschend kompaktes Paket. Nach dem öffnen des Kartons erblickte ich.....2 weitere Kartons. In einem Karton befanden sich weitere kleine Kartons mit Stativ und Zubehör, alles in Folie eingeschweißt. Im zweiten Karton befand sich..........natürlich noch ein Karton. Darin verpackt eine Styroporschachtel mit dem Comet, natürlich eingeschweißt. Die ganze Sache war also hervorragend verpackt.
Als erstes begutachtete ich das Teleskop. Erstaunt stellte ich fest, das die von den Eifeltwistern gelobte Gummiummantelung fehlt. Statt dessen prangt ein Seben - Schriftzug auf dem Rohr. Egal, ehr ein Schönheitsmangel.
Im Anschluß baute ich das Stativ auf. Alles sehr einfach und ohne Anleitung zu erledigen.
(Anleitung = Kopiertes Faltblatt auf englisch)
Die Montierung ist ein Azimutaler Fotoneigekopf, sehr massiv gearbeitet. Also das Teleskop draufgeschraubt. Als nächstes habe ich das mitgelieferte Amici-Prisma angebracht. Eine ziemliche Fummelei, bis das Feingewinde der Überwurfmutter gegriffen hat. Ein Blick in den Karton: aha, der Sucher fehlt noch.
Der 8x21 Sucher ist Achromatisch und ordentlich verarbeitet. Niedlich fand ich sein Taukäppchen.
Nach dem alles aufgebaut war, erfolgte eine erste Begutachtung: Das Teleskop ist wertig verarbeitet, die Optik frei von Schmutz oder Kratzern und gefehlt hat auch nichts. Das Stativ mit Montierung das krasse Gegenteil: Stativ akzeptabel, Der Neigekopf eine Katastrophe. Voll von Chinahonig und billigster Machart, obwohl recht massiv.
Die Nacht brach herein und ich stellte das Teleskop zum Auskühlen raus. Nach einer Stunde begann ich mit dem First Light. Ich hatte Glück, der Mond im ersten Viertel und saturn schaute um die Ecke. Also erstmal am Stern die Justierung überprüft. Alles i.O., dank der guten Verpackung. Die Stunde Auskühlen hat auch ausgereicht.
Als nächstes der Mond: Angefangen mit dem 27´er Plössel über das 12,5´er bis zum Neuner, knackscharfe Abbildung, Farbfehlerfrei und ohne Spiegelshifting! Dann 6mm und 4mm, Wahnsinn, was für Details!
Als nächstes den Saturn angesteuert:
Bei 6mm Okularbrennweite zeigte sich mir seine Bauchbinde und die Cassiniteilung, unglaublich. Erstmal eine Rauchen und dann das 4mm rein. Ein Riesiger, dunkler, matschiger Saturn, der mit Affenzahn durch das Blickfeld flitzt. O.K., 4mm sind dann doch ein Bischen übertrieben.
Nun zum Orionnebel:
Bei 27mm Okularbrennweite schön hell, bis 12,5mm akzeptabel, darunter einfach zu dunkel. Immerhin konnte ich das Trapez gut sehen. Naja, Bauartbedingt ist das halt nicht die Paradedisziplin des kleinen Maks.
Fazit:
Ich bin der Meinung, das Comet hat eine hervorragende Optik, ist wertig verarbeitet und sein Geld wert. Das Stativ aber ist eine Zumutung. Das Comet gehört auf jeden Fall auf einen vernünftigen Neiger oder eine EQ


Teil 2

Nach ausgiebiger Nutzung als Schnellspechtel- und Reisegerät (auf Astro-3) hat sich so einiges an dem anfangs so guten Bild geändert.
Nachdem das Gerät nun öfters gereist ist war ich mit der Schärfeleistung nicht mehr so zufrieden. Also überprüfte ich die Justierung und stellte fest, dass sie nicht mehr passte. Hat aber trotz allem lange gut gehalten.
Nun beguckte ich mir den Mak genauer. Wo zum Teufel sind die Justierschrauben? Aha, hinter der Klappspiegeleinheit. Nun war mir doch so, als müsste ich doch hinten durch gucken können, um zu justieren. Aber wenn ich die Klappspiegeleinheit abbaue, wo stecke ich dann das Okular rein?
Hier Bilder der Angelegenheit:



Hier sieht man den Mak von hinten. Die drei Schrauben (eine befindet sich hinter dem Umschalter) halten nur das Klappspiegelgehäuse.




Hier sieht man ein Paar der Zug/Druckschrauben zur Justierung, wovon 3 Paar vorhanden sind. Dieses Paar befindet sich nach dem obigen Bild genau auf 12:00 Uhr., die anderen Paare hinter dem Umklappmechanismus des Klappspiegels. So fällt es auch aus, einfach Löcher hinten rein zu bohren.
Ich schickte folgende @-Mail an den Seben-Service:
"
Hallo!
Ich besitze u.a. das Seben Comet und benutze den ansonsten recht brauchbaren kleinen Mak als Reiseteleskop. Nun müsste mal eine Justierung vorgenommen werden, was ja an sich kein Problem ist. Wie komme ich aber an die Justierschrauben?
Hinter der Spiegelzelle befindet sich ja das Gehäuse mit dem Umlenkspiegel. Die Justierschrauben für den Hauptspiegel sind nicht nach außen geführt. Baue ich nun das Gehäuse ab, komme ich an die Justierschrauben, kann dann aber schlecht das Okular in das Blendrohr stopfen?!
Der "Anleitung" (Faltblatt) ist natürlich auch nichts zu entnehmen.
Ich erbitte von Ihnen eine praktikable Lösung, die aber nicht "Schicken Sie uns das Gerät zur kostenpflichtigen Justage ein" lauten sollte.
Eine Justierung durch den Benutzer sollte schon technisch möglich sein....

mfg
Kohl

"
und bekam folgende Antwort:
"
Hallo,

Danke für Ihre email.

Comet ist ein Maksutov-Cassegrain Teleskop und nicht dafür gedacht, dass der Benutzer ihn justieren kann. Deshalb können wir leider keine Auskünkte geben.

Mit freundlichen Grüßen

"
Respekt! Ein Teleskop, welches nicht justiert werden kann. Klasse
Bei näherem Hinsehen stellte ich noch einen verschandelten Hauptspiegel fest:



Lauter Mikrokratzer, vom Sauberwischen nach dem Einbau in China denke ich mal, optisch sicher unbedeutend aber trotzdem sehr unschön.

Schlußendlich kann ich so nun nicht mehr das Gerät weiterempfehlen. Und die Firma Seben hat sich nun doch selbst  ihren Ruf bestätigt.

 
   
 
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